Der Nutzen von Krisen

In diesem Artikel möchte ich Dich einladen, eine kleine Reise nach innen zu unternehmen. Und dafür schlage ich vor, dass Du Dir fünf Fragen stellst, wenn Du diesen Artikel gelesen hast. Beantworte diese am besten schriftlich. Die Antworten auf die Fragen, die Du am Ende dieses Artikels findest, werden Dir zeigen, was Dich diese Krise lehren kann. Sie zeigen Dir, was Du in Deiner Beziehung zu Dir selbst und zu anderen verändern kannst. Auf diese Weise identifizierst Du die in Dir derzeit noch nicht aktivierten Ressourcen. Und so wird die Krise zum Auslöser und Motor für neue Wege.

Aber zunächst lass Dich inspirieren und lies in Ruhe diese Gedanken und meine Einladung zu dieser Reise nach innen.

Ein gutes Maß an Stress ist von Vorteil

Wir erreichen ein Gleichgewicht, eine Balance in unserem Leben, indem wir Orientierungspunkte suchen, Überzeugungen aufbauen und uns auf Gewohnheiten festlegen. Dies alles ermöglicht uns aktiv zu werden, täglich den Alltag zu bewältigen und innerhalb unserer selbst gesteckten Sicherheiten zu funktionieren. Und so gehen wir wie selbstverständlich davon aus, dass es keine anderen Arten zu denken und zu leben gibt.

Was passiert aber, wenn ein unvorhergesehenes Ereignis unser System ‚angreift‘? Fällt dann alles auseinander? Das System vielleicht, aber nicht unbedingt wir selbst. Plötzlich wird unser Alltag durchbrochen und wir sind mit allen Sinnen in Alarmbereitschaft. So können wir wie durch einen Bewusstseinsblitz spontan besser funktionieren und sehen klarer. Alle unsere Kräfte sind aktiviert. In diesem Moment wird das Bewusstsein für uns selbst und unsere Ressourcen sowie Fähigkeiten angeregt. Studien zeigen, dass ein gutes Maß an Stress und Herausforderungen uns effektiver macht und reifen lässt.

Was geschieht aber, wenn die Dauer und Intensität des Stresses das Maß überschreitet, das wir ertragen können?

Ein Übermaß an Stress macht krank

Wenn der Stress zu stark wird, stehen wir nach dem ersten Bewusstseinsschub plötzlich vor der Leere. Unsere Reaktionsfähigkeit bricht zusammen, unsere Leistungen werden schlechter, unsere Konzentration lässt uns im Stich. Wir haben die erste Phase der Aktivierung überschritten und nun überflutet die Krise, das Übermaß an Stress unsere Abwehrkräfte. Die Krise katapultiert uns heraus aus unseren Lösungswegen und schneidet uns von unseren Ressourcen ab. Auch hierfür gibt es Mittel und Wege, doch noch haben wir keinen Zugriff auf sie. Die Lösungen liegen auf einer anderen Ebene. Oft suchen wir nicht einmal nach ihnen. Unser Ziel besteht weniger darin, die Situation zu verändern als sie zu bekämpfen. Wir haben vielleicht verloren, was uns wichtig war, und sind von diesem Verlust besessen. Und diesem Leiden wollen wir entgegenwirken.

Wie tief geht der Fall aus dem Gleichgewicht?

Bis wir ein neues Gleichgewicht finden. Um diesen neuen Gleichgewichtspunkt zu finden, haben wir drei Möglichkeiten:

  1. Stehen bleiben, einfrieren, aufgeben…
  2. Kampf und Weg zurück zum verloren gegangenen Gleichgewicht vor der Krise
  3. ‚Höher hinaus kommen‘ durch Loslassen und Einlassen auf die neuen Herausforderungen, Wachstum an Kompetenzen

In der Krise stecken bleiben

Die Krise existiert effektiv nur so lange, wie wir uns gegen sie wehren. Solange wir zum alten status quo zurückkehren wollen, dauert sie an. Dann kämpfen wir vielleicht, um das wiederzufinden, was wir lieben, um eine Trennung vom Liebgewordenen zu vermeiden. Wir wollen nicht akzeptieren, dass uns das Leben eine andere Mahlzeit serviert. Und versuchen wieder herzustellen, was uns das Leben genommen hat: unsere Arbeit, Gesundheit, unsere Gewohnheiten und unseren Traum. Wir weigern uns, die Spur zu wechseln und anders zu leben. Unversöhnlichkeit trifft auf die neuen Angebote des Lebens, wenn wir nicht bereit sind uns zu verändern.

Beispiele aus meiner Praxis

Ich möchte mich nicht verändern, nur weil meine Lebensbedingungen sich verändert haben. Ich habe verloren, was ich geliebt habe. Bitte helfen Sie mir auf dem Weg zurück zu dem, was ich zuvor hatte. Diese Haltung oder unausgesprochene Bitte kenne ich aus meiner Praxis allzu gut. Allerdings ist dies in den allermeisten Fällen nicht möglich. Die Person leidet dann umso mehr, als sie an dem festhält, was sie nicht loslassen will: An ihrer Angst vor dem Unbekannten, an ihrer Ablehnung eines anderen Lebens.

Meine therapeutische Arbeit besteht dann darin, die Person hin zu einer Öffnung zu mehr Veränderungsbereitschaft zu begleiten. Und ihr neue Fragen zu stellen, um zu entdecken, dass ihr ganzes Leben als ein großes Abenteuer wahrgenommen werden kann. Dessen Krisen und Unglück ebenso wie Erfolge und Hoffnungen uns dazu zwingen, in eine andere Beziehung zum Unbekannten zu treten. Dies ist unser einziger Weg uns zu entwickeln, vorausgesetzt natürlich, wir glauben, das der Mensch des Wachstums würdig ist.

All dies macht keinen Sinn, wenn wir glauben, dass es nur darum geht zu ertragen, dass der Mensch aus dem Nichts kommt, dass er dann nirgendwohin geht und dass das Leben nur dazu dient, die Zeit bis zu einem sinnlosen Tod rumzukriegen.

Ja, das alte Gleichgewicht hat uns erfüllt. Deshalb ist unser Widerstand verständlich und menschlich. Aber wir müssen erkennen, dass es unsere ablehnende Haltung zur Veränderung ist, die unser Leid verstärkt. Dieser Zwang zur Rückkehr widerspricht dem Lauf des Lebens.

Wann ist Kampf sinnvoll?

Sicher gibt es Situationen, in denen wir kämpfen müssen, um unser Überleben zu sichern oder unsere Lieben zu schützen. In einem solchen Moment ist Fatalismus oder Hingabe an den status quo fehl am Platz. Hier bekämpfen und ändern wir bereitwillig das, was uns angreift. Wir zögern nicht, den status quo zu bekämpfen und Sicherheit zu erlangen. Doch fragen wir uns später, ob wir in dieser neu erlangten Sicherheit glücklich sind? Meist nicht. Wir neigen sehr dazu, eine ähnliche Vergangenheit wiedererlangen zu wollen, statt für eine bessere Zukunft zu kämpfen.

Finde Dein HÖHERES Gleichgewicht im Leben

Schau Dir nach einem Verlust die Faktoren an, die der verlorenen Situation / Person zugrunde liegen:

  • Welche Bindung hattest Du zu dieser?
  • Welchen Platz hatte diese in Deinem Leben?
  • Welche Wichtigkeit hast Du ihr gegeben?
  • Welche soziale Bedeutung kommt dem Verlust zu?
  • Wie reden andere über Dich und Deinen Verlust? Was wird darüber gesagt?
  • Was hast Du Dir selbst gesagt, als Du loslassen musstest?
  • Welche Emotionen haben Dich dabei überschwemmt?

In einer Krise ist es wichtig zu wissen, woran wir festhalten

Sobald wir dies verstanden haben, verstehen wir auch besser, was den Fall aus dem Gleichgewicht verursacht hat. Erkenne, dass Du mehrere Optionen hast, um damit umzugehen und zu (re-)agieren. Wie willst Du die Zukunft sehen? Wenn wir nur eine Zukunft erkennen, fühlen wir uns in der Situation gefangen und nicht frei gestaltend.

Lass uns nun in einem nächsten Schritt den Wiederaufbau angehen. Lass uns die Fähigkeiten analysieren, die Du vor der Krise nicht hattest und die es Dir ermöglichen, höher als vor der Krise hinaus zu kommen. Dabei gewinnst Du an Fähigkeiten, Selbstvertrauen oder Gelassenheit…

Ziel ist also die Suche nach neuen Ressourcen. Dann wirst Du nicht länger vor Dich hin dümpeln, sondern etwas Neues erleben und in die Welt bringen. Du verlässt auf diese Weise ganz von selbst die Opferrolle um ein Akteur beim Wiederaufbau zu werden. Ist es nicht spannend, dass das griechische Wort „krisein“ ENTSCHEIDUNG bedeutet? Ist es nicht beruhigend, die Krise als Entscheidung zu verstehen und nicht als lange Klage?

Eine wesentliche Übung ist, sich als jemand anderen zu visualisieren. Jemanden mit neuen Qualitäten, Stärken, neuer Beziehungsbereitschaft. Dies erzeugt ein ungewohnt positives Gefühl, dass es Dir ermöglicht, mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen. Hierbei kann die Hypnose extrem hilfreich sein.

Eine Krise kann Blockaden auflösen

Warum diese Arbeit an sich selbst? Erneuere Dich und Deine innere Haltung, was ohne die Krise kaum möglich gewesen wäre. Eine Krise bringt den selbstgefälligen oder einfach müden Wanderer in Bewegung. Sie zwingt ihn, auf dem eigenen Wachstumsweg voranzukommen, andere Dimensionen des Lebens zu erblicken und Ballast loszulassen, um an Höhe zu gewinnen.

Routine schläfert uns ein – eine Krise weckt uns auf und energetisiert

Hast Du bemerkt, dass Gewohnheiten kaum noch geändert werden können, wenn sie in unserem sozialen, beruflichen und privaten Leben starr geworden sind? Wie können wir etwas verändern, ohne von einer Krise dazu gezwungen zu werden?

Trennungen und Krisen werden zu einzigartigen Gelegenheiten, in denen Du Deine Beziehungsgewohnheiten, Deine Vision von der Welt und von Deinem Leben verändern kannst. Krisen bringen Ungleichgewichte mit sich, die es Dir ermöglichen, wieder einen Wachstumsschub zu erfahren und bewusster zu werden. In diesem Sinne ist die Krise JETZT der beste Moment, um sich selbst in Frage zu stellen, und um größere Krisen zu vermeiden. Du gehst dann mit der neuen Situation, um Dich zu verwandeln. Ein neues Ziel, eine neue Ausrichtung wird sich ganz von selbst am Horizont zeigen. Erwirb hierfür die nötigen Kompetenzen! Werde Dir des einzigartigen Moments JETZT gewahr, der endlich Gelegenheiten bietet, die Vergangenheit hinter Dir zu lassen. Eine Vergangenheit, die diese Möglichkeiten der Entfaltung nicht zugelassen hatte.

Geschenke des Lebens

Manchmal scheint es, als würden uns die besten Geschenke des Lebens in einer fürchterlichen Verpackung überreicht, so dass wir sie zunächst nicht öffnen wollen. Krisenmanagement besteht genau darin: Das Paket auszupacken, manchmal die Belohnungen, zuzeiten aber auch das Leid und Drama, um neue Lösungen zu finden. Im ersten Moment empfinden wir vielleicht eher eine Katastrophe anstelle einer Chance. Unsere erste Reaktion ist oft eine Ursachensuche des Problems, anstatt zu sehen, welche neuen Möglichkeiten uns geschenkt werden und was wir damit machen können.

Wenn wir das Paket mutig auspacken, werden wir die nutzlose Frage nach der Ursache durch die Suche nach der Bedeutung und dem Sinn ersetzen, der in die Zukunft führt. Statt WARUM frag besser WOFÜR: Jede/r macht dies auf die eigene Art und Weise.

Ich denke, dasselbe gilt für soziale, politische und humanitäre Krisen. Es gibt auch Lehren für Gesellschaften, Gemeinschaften und Regierungen. Weltweit geht es heute darum, neue Lösungen zu finden und Regeln einzuführen, um aus unserer Gesellschaft der Verschwendung, Umweltverschmutzung, Globalisierung und Ungleichheit herauszufinden. Nach Jahren der Verlagerung der Nahrungsmittelproduktion für kurzfristige Gewinne, die viele gegenseitige Abhängigkeiten geschaffen hat, so dass sich ein winziges Virus wie ein Lauffeuer ausbreiten und unsere Wirtschaft in wenigen Wochen zerstören könnte, gilt es nun neue Lösungen zu finden. Könnten wir mit mehr Respekt, Maßgefühl, Vernunft, Gemeinwohlorientierung und langfristigen Visionen aus dieser Krise herauskommen?

Das Leiden akzeptieren?

Es gibt allerdings auch Krisen, die keine Erklärung haben und die keine Ressource der Welt hätte vermeiden können: Eine genetische Krankheit oder der Alterstod eines geliebten Menschen. Aber auch hieraus können wir lernen. Auch hier gilt es loszulassen bzw. sich einzulassen, sonst verlängert und vertieft sich das Leid. Die Angst vor ihm wird uns noch mehr leiden lassen. Die Ablehnung einer unabänderlichen Situation wird unsere Energie auf ein unerreichbares Ziel lenken und unsere Verzweiflung verstärken. Dies geschieht bei pathologischer Trauer und reaktiven Depressionen, bei denen ein Schicksalsschlag zu einem persönlichen Zusammenbruch führt. Traurigkeit ist normal, aber Depression ist pathologisch.

Es ist wichtig, Leiden anzunehmen, wenn wir es nicht vermeiden können. Schlimmer als das Leiden ist nur die Angst vor ihm. Geh durch den Schmerz, statt in ihm zu baden und zu ertrinken. Was wir nicht mehr bekämpfen, wird in unserem Leben weniger Platz beanspruchen. Akzeptanz ist hier die Tür zur Zukunft, während Wiederkäuen uns in der Vergangenheit einschließt.

Aber Situationen, die wir nicht ändern können, können uns ändern. Aus diesem Grund sollten große Krisen zu einer Veränderung der philosophischen oder spirituellen Höhe = Bewusstheit führen.

Gerne begleite ich Dich in Deinem Leiden, Deinen Entscheidungen und Veränderungsprozessen indem wir ihm den Platz geben, den es benötigt und verdient. Dies ist der einzige Weg, um es zu bewegen. Lass es uns IM GEGENWÄRTIGEN MOMENT erfahren und nicht in die Zukunft projizieren. Lass uns versuchen, das Leiden nützlich zu machen und uns zu zwingen, die Höhe und Bewusstheit für den Rest unseres Lebens zu ändern.

Dann kann sich die Frage nach dem Sinn unseres Lebens und unserer Werten stellen. Dies wird uns aus unseren Gewohnheiten befreien. Wir werden die Situation anders betrachten und wir können etwas anderes tun, als was wir schon immer gewusst und getan haben. Wenn uns ein schwer fassbarer Todesfall zu diesem Bewusstseinsprozess bringt, dann hat er uns etwas anderes als unnötiges Leiden gebracht.

Fünf Fragen zur Überwindung von Krisen

Und hier die fünf versprochenen Fragen:

  1. Wie warst Du vor der Krise unterwegs und in welche Richtung wehte Dich das Leben?
  2. Wo bist Du jetzt und welche ist Deine Richtung? Woran leidest Du?
  3. In welche Richtung soll Dein Leben Dich führen? Was sind die verschiedenen Optionen?
  4. Welche Höhe möchtest Du dafür erreichen? Was sind die Werkzeuge, die Ressourcen, die Dir noch nicht zur Verfügung stehen? Und welche solltest Du dank dieser Krise erwerben, damit Dein Leben eine bessere Richtung einschlagen kann?
  5. Welchen Ballast solltest Du fallen lassen? D.h. welche Gewohnheiten, Überzeugungen und Haltungen solltest Du loswerden?

Die Krise ist ein Abenteuer, das man ablehnt.

Bertrand Piccard

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