Gelingende Beziehung I:

Reden wie ein Wasserfall versus Stille Wasser sind tief

Glaubst du nicht mehr an eine gelingende Beziehung? Kennst Du das? Flutest du deinen Partner oder deine Partnerin bei Meinungsverschiedenheiten oder Streits oft mit starken Gefühlen und unendlichen dramatischen Aussagen? Überschüttest du förmlich dein Gegenüber mit Problemen, deinen Wahrnehmungen oder gar Anklagen? Falls ja:

Nun, man könnte meinen, dass jemand wie du besonders offen und ehrlich ist, sowie viel Mut hat, alles von sich zu zeigen…  Doch oft steckt dahinter ein Schutzbedürfnis. Dieser Schutzmechanismus, diese Flut an Drama und Gefühlen bringt das Gegenüber eher auf Abstand als zum Zuhören und Mitfühlen. Vielleicht bist du aber auch der Schweiger? Egal wie herum:

Indem ich eine Flut von Problemthemen gleichzeitig aufmache, teile ich meinem Gegenüber zwischen den Zeilen mit

  • es ist hoffnungslos…
  • ich kann nicht mehr…
  • es ist zu viel schiefgelaufen…
  • meine Wahrheit ist dir (und vielleicht auch vielen anderen) zu viel…
  • ich durchblicke die Situation, während du flüchtest…
  • keiner versteht und fühlt mich…
  • die Beziehung, das Gespräch hat keinen Sinn mehr…
  • ich kann nichts mehr machen und bin völlig am Ende…
  • was immer du dazu sagen magst, es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein…
  • es wird mir nie genug sein, egal was du erwiderst…

In der Paartherapie

Ich kenne diese und ähnliche Szenen aus meinen Paarbegleitungen allzu gut. Der ganze Raum wird von einer der beiden Personen mit diesem Mitteilungsbedürfnis so angefüllt, dass schließlich alle Zuhörer*Innen verwirrt sind, inklusive der Therapeutin wenn sie nicht aufpasst.

Was hat man aber neben dem o.g. Schutz noch von dieser Verhaltensweise? Nun, man macht sich in gewisser Weise zum Opfer und den Anderen zum Täter. Dieser hat dann kaum Spielraum, und er / sie wird in die Ecke gedrängt, aus der heraus förmlich eingeräumt werden muss:

  • ich fühle mich vollkommen überfordert und kann da wohl nichts mehr dran ändern…
  • oh, ich wusste nicht, dass ich so belastend für dich bin…
  • ich bin dir scheinbar zu viel / nicht gut genug…
  • tut mir so leid, dass du derart leidest…
  • ich bin Schuld, dass du… aushalten musst…
  • oh, du hast augenscheinlich bereits 1.000 gute Gründe gesammelt, die Beziehung zu beenden…

Und schließlich: Er / sie macht zu! Kennst du dieses  Ping-Pong-Ping? Einer von euch entleert sich wie ein Wasserfall, der andere macht dicht. Dieses ewige Hin und Her wird gerne lange durchgehalten und verfestigt sich. Irgendwann scheint alles hoffnungslos zu sein.

Was eine gelingende Beziehung stärkt: Share only one thing at a time

Deshalb hier mein Tipp an die schnell und viel Redner*Innen: Öffne zunächst nur eine Tür, eine Baustelle, einen Schmerz. Äußere dich möglichst kurz und klar in wenigen Ich-Sätzen, die deine Betroffenheit zum Ausdruck bringen… ohne viele Erläuterungen oder Beispiele zur Verdeutlichung. Bleib dir dabei treu, indem du ganz ehrlich bist, und sprich langsam und achtsam.

Im Anschluss lasst beide das Gesagte im Raum stehen, bei sich selbst und dem Anderen landen, ohne Worte. Lasst das Gesagte beim Gegenüber ankommen und wirken. Haltet dabei den Schmerz, die aktivierten Gefühle, die innere Hitze, das sich einstellende herausfordernde Körpergefühl – Wut, Angst, Ausgeliefertsein… – aus. Jede/r für sich. Atmet und spürt!

Lass zu, dass du dich damit womöglich allein fühlst. Du wirst sehen: Ganz im Gegenteil lässt du Nähe zu, wenn du diese Information teilst und dich spürbar machst in dieser Stille, diesem Moment jetzt. Lass es im Raum hängen wie einen letzten Ton einer Symphonie, ohne wenn und aber, ohne sofort (gedanklich oder verbal) nach der (Er-)Lösung zu suchen oder diese vom Gegenüber zu erwarten. Halte die Wirkung aus, egal wie sie aussieht.

Indem du dies tust, nimmst du deine Geschichte zu dir. Du übernimmst Verantwortung für deine Gefühle. Du machst dich nun wirklich sichtbar und spürbar. Bleib in der Verletzlichkeit des Moments. Alle beide… Auch die meist schweigende Person hat in dieser Stille viel Raum für das Wahrnehmen des anderen. Natürlich kann sie auch hier dicht machen, aber dies passiert in der Regel nicht. Oder wenn doch, dann liegt diese Wahrheit umso sichtbarer auf dem Tisch. Zumindest vor dieser kann dann niemand mehr flüchten.

Die Chancen stehen gut, dass ihr in diesem magischen Moment eine neue Erfahrung macht, jede/r für sich allein und gemeinsam. Der Weg für eine gelingende Beziehung steht wieder offen.

„Das schaffen wir nicht allein!“

Denkst du dir jetzt: „Das haben wir schon 1.000 Mal versucht. Der Zug ist schon längst abgefahren.“ Dann schaut mal gemeinsam vorbei. Es ist nie zu spät. Gerne bleibe ich dabei als Zeuge, Begleiterin, Feedback-Geberin und gehen dazwischen, wenn alte Muster wieder übernehmen. Ich habe viele weitere respektvolle Übungen für Euch, die in Gegenwart eines Zeugen, sprich mich, neue Erfahrungen bieten. In meiner Praxis darfst du danach auch wieder  reden, und ihr werdet das Gespräch nicht mehr an die Wand fahren. Diese Erfahrung mache ich in den allermeisten Paarsitzungen. Denn dafür sorge ich.

Außerdem stecken noch viel mehr unbewusste Vorteile in den verschiedenen Rollen, als du dir im Moment erlaubst zu erkennen. Lass uns diese Geschenke gemeinsam auspacken! Was habt ihr zu verlieren? Was zu gewinnen? Was ist dir eine gelingende Beziehung wert? Probiert es aus!

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